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Becoming Zlatan – Ein modernes Fußballmärchen der Superlative

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Topstar und Kapitän der schwedischen Nationalmannschaft, Meister in Italien, Spanien, Frankreich und den Niederlanden, neunmal in Folge schwedischer Fußballer des Jahres,… Die Liste der Erfolge von Zlatan Ibrahimovic ließe sich noch endlos fortführen. Doch wie wurde aus einem bosnischen Migrantenjungen, der im sozialen Brennpunkt Rosengard in Malmö aufwuchs, einer der besten Fußballer aller Zeiten ?Genau diese Frage beantworten die Brüder Fredrik und Magnus Gertten in ihrem Dokumentarfilm „Becoming Zlatan“, der in diesen Tagen auf dem Dokfest München seine Premiere feiert.

Von 1999 an, als der damals 18-Jährige Ibrahimovic den ersten Profivertrag bei seinem Heimatklub Malmö FF unterschreibt, bis zum ersten Titelgewinn mit dem italienischen Spitzenklub Juventus Turin im Jahr 2005, begleiten die Filmemacher den Schweden. Doch der Weg vom Talent zum Spitzenspieler ist steinig, wie der junge Zlatan schon bald feststellen muss. In zahlreichen stillen Momenten abseits des Fußballplatzes erklärt Ibrahimovic, dass ihn vor allem die Suche nach der Anerkennung seines Vaters täglich dazu motiviert, 100 Prozent zu geben. Der Satz „Du bist nichts, bis du etwas in Europa erreicht hast“, verfolgt Zlatan seine ganze Karriere lang. Die fehlende Bezugsperson und das regelmäßige Umziehen mit seiner Familie sind nicht unbedingt förderlich für die soziale Entwicklung des jungen Schweden. Einzige Heimat und gleichzeitig Höhepunkt seines Tages ist damals die Zeit auf dem Fußballplatz. Hier kann er seine Aggressionen ausleben und seinen Freunden und Eltern beweisen, dass er kein Versager ist. Die Chance zu einem Profiverein zu wechseln holt Zlatan aus seinem Tief heraus und bringt in auf die große Bühne. Der Film wechselt gekonnt zwischen Erfolgszenen des jungen Sportlers und nachdenklichen Momenten, in denen deutlich wird, dass das Leben als Fußballstar auch einige Schattenseiten hat.

 

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Während seiner ersten Jahre im europäischen Ausland hat Zlatan mit Einsamkeit, Verlusten im privaten Umfeld und starker Konkurrenz im eigenen Team zu kämpfen. Während des Films äußern sich ehemalige Trainer, Mentoren und Mitspieler über den exzentrischen Schweden, der vielen nicht nur wegen seines außergewöhnlichen Spielstils, sondern auch wegen seines unglaublichen Egos auffällt und im Gedächtnis bleibt. Ibrahimovics Sprüche sind mittlerweile legendär und trotz seines mitunter schwierigen Charakters hat er bei all seinen Stationen einen positiven Eindruck hinterlassen. Einzige Ausnahme vielleicht die Zeit beim FC Barcelona, in der Zlatan regelmäßig mit seinem damaligen Trainer Pep Guardiola aneinandergerät. Mittlerweile spielt Ibrahimovic beim französischen Serienmeister Paris Saint German und ist der unangefochtene Star der Liga. Mehr als 24 Millionen Menschen gefällt seine Facebookseite, knapp 3,5 Millionen Fans folgen ihm auf Twitter und nehmen an seinem täglichen Leben teil. Er ist also ganz oben angekommen, hat auf seinem Weg alle Höhen und Tiefen erlebt und ist ein Star in Europa.

Ein perfekter Film für Fußballfans also ?Keineswegs. Auch Leute die ansonsten nichts mit dem Ballsport am Hut haben, dürften bei dieser Dokumentation teilweise zu Tränen gerührt werden. Denn der Fußball spielt meist nur eine untergeordnete Rolle, der Hauptfokus liegt auf dem Menschen Zlatan Ibrahimovic, der sich aus dem Ghetto hochgekämpft hat und am Ende seines Weges durch harte Arbeit verdient an der Spitze des europäischen Fußballs steht. Wenn man so will also ein modernes Märchen, bei dem der Protagonist allerdings kaum eines der typischen Klischees des Helden erfüllt. Denn am Ende des Films wird klar, dass der Titel der Dokumentation eigentlich falsch ist. Zlatan wurde nicht zu Zlatan, er war es schon immer.

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