BAF meets DOK.fest Bayerische Akademie für Fernsehen

Deutschland im Serienfieber – bleibt lokal, denkt international!

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„Breaking Bad und Six Feet Under“, sagt Frank Jastfelder von Sky Deutschland, als Moderatorin Klaudia Wick ihn nach seinen Lieblingsserien der jüngeren Vergangenheit fragt. Dr. Bernhard Gleim vom NDR pflichtet ihm bei und sieht die britische Miniserie „Dr Foster“ als Geheimtipp. ZeroOne-Mann Volker Heise nennt die FX-Serie Fargo. Der Geschäftsführer von Turner Deutschland, Hannes Heyelmann, sieht mit Billions und Silicon Valley zwei ganz frische Produktionen ganz oben.

Nur eine Serie aus Europa. Keine aus Deutschland. Wenn es nach den vier Herren auf der Bühne geht, soll sich das ändern. Sie alle stehen in gewisser Weise für den Aufschwung des seriellen Erzählens in diesem Land. Die preisgekrönte TNT-Serie-Produktion Weinberg fällt in den Zuständigkeitsbereich von Heyelmann, die Produktionsfirma von Volker Heise war hauptverantwortlich für die arte-Echtzeitdoku 24h Jerusalem. Sky und sein Head of Drama Production Frank Jastfelder wollen mit Leuchtturmprojekt BabylonBerlin im großen Rahmen ins Seriengeschäft einsteigen.

Die Veranstaltung beginnt mit einem Grußwort von Martin Gebrande. Er erinnert daran, dass deutsche Serien vor wenigen Jahrzehnten schon einmal so geboomt haben, wie sie es derzeit in den USA tun. Ein Herz und Eine Seele oder Die Schwarzwaldklinik hätten gezeigt, dass auch hierzulande das Bedürfnis nach Serien gab, die eine „Mischung aus Ablenkung vom Alltag und emotionale Wohlfühloase“ darstellen würden. Dann habe man sich auf dem Erfolg von Produktionen wie Marienhof aufgeruht – die Eigenproduktionen wurden seltener, einzig der gute alte deutsche Krimi ist über all die Jahre geblieben.

Dann kam HBO. Und mit HBO eine „völlig neue Art des Storytelling“, eine völlig neue Art der Vermarktung. Diese kann nur gut sein für deutsche Kreative. Mit einigen Jahren Verspätung, in denen die entsprechenden Voraussetzungen geschaffen wurden, ist die horizontal erzählte Serie nach amerikanischem Vorbild nun auch in Deutschland angekommen. Das könne man am derzeitigen Wachstum deutscher Eigenproduktionen erkennen.

Dann betritt Gerhard Maier die Bühne. Er ist Programmdirektor vom Seriencamp, ein internationales Festival für Serien und TV-Kultur. Geht es nach ihm, so schauen wir hierzulande viel zu sehr rüber nach Amerika. Immerzu seien wir „auf der Suche nach dem deutschen Dr. Who, dem deutschen True Detective“. Zu unrecht: Auch wir hätten die Schauplätze, die eine Atmosphäre versprühen könnten, wie es sie nirgendwo anders auf der Welt gibt. Der Schlüssel liegt nach ihm darin, beide Wege zu verbinden: lokal und international zu denken.
Außerdem wäre ein gesundes deutsches Selbstvertrauen nur förderlich bei der Produktion neuer Stoffe.

Denn – und das wollte Maier ganz besonders betonen – die Nachfrage an Qualitätsserien sei überall auf der Welt gleich hoch, weil sie in uns allen verankert ist:

Bei der Diskussion selbst war man sich einig, dass die Refinanzierung deutscher Serien gegeben sein muss. Auf die Frage, welche Themen sich für gute Serien eignen, meinte Volker Heise von ZeroOne, dass man allein aus dem Alltag spannende Geschichten erzählen kann. Das hat man am Erfolg der Langzeitdoku 24h Jerusalem gesehen, wo Heise selbst maßgeblich beteiligt war.

Sky dagegen versucht sich eher daran zu orientieren, was es auf dem deutschen Markt noch nicht gibt. Laut Frank Jastfelder sei es vor allem das Schwierigste, die richtigen Autoren zu finden. Seiner Meinung nach hätten die meisten eine „Schere im Kopf“.
Viele Autoren trauen sich einfach nicht neue spannende Geschichten zu schreiben. Angst mit der neuen Idee, nicht die erwartete Quate zu erreichen oder die Angst davor, einfach ein qualitativ schlechtes Drehbuch abzuliefern.Trotzdem liegen jeden Tag neue Ideen für Serien auf seinem Schreibtisch.

„Wir wollen, wenn wir könnten.“ Das liest man oft von deutschen Autoren. Für Dr. Bernhard Gleim vom NDR eine reine Lüge. Die Lösung müssten richtig gute Drehbücher sein, die dafür sorgen, dass sich die Beziehung zwischen Autoren und Redaktionen endlich verbessere. Im Tatortreiniger sei das dem NDR und der ARD in ihrer Zusammenarbeit gut gelungen.

Die Serie allein ist bestimmt keine Antwort auf alle Fragen. Die Veranstaltung hat gezeigt, wie beliebt Serien geworden sind und wie sehr Serien Einfluss auf unseren Alltag nehmen. Schließlich ist fast jeder von uns ein kleiner Serien-Suchti. Die deutsche Serie hat Zukunftspotential, da sind sich auch die Profis einig. Vor allem eine Miniserie á la Weinberg wird man bestimmt noch öfters sehen.

Es wird sich zeigen, ob in nächster Zeit auch deutsche Serien so boomen wie in Amerika. Vielleicht wird das dann im nächsten Jahr auch ein Thema für das Dok.forum sein. Dann hoffentlich mit mehr Zuhörern.

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