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Café Waldluft – der etwas andere Heimatfilm

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Der Titel des Films lässt zunächst einen netten Heimatfilm vermuten. Was der Zuschauer dann aber zu sehen bekommt, ist ein Film der den Begriff Heimat ganz neu definiert.
Berchtesgaden, mitten in der Natur der bayerischen Alpenwelt steht es: das Café Waldluft. Früher einmal war es ein beliebtes Ausflugsziel für internationale Touristen, doch irgendwann kamen jene nicht mehr und der Besucherbetrieb wurde eingestellt.
Es sind nun neue internationale Gäste da, doch kommen sie nicht mehr aus Italien oder Frankreich. Diese Gäste haben eine längere Reise hinter sich und ein schwereres Gepäck zu tragen. Sie kommen aus Syrien. Afghanistan. Sierra Leone. Die meisten haben keine Familie mitgebracht, aber dafür haben sie jetzt Mama Flora. Die Wirtin des Cafés zeigt wie Nächstenliebe aussehen kann und ganz nah dran berichtet Filmemacher Matthias Koßmehl. Er zeigt nicht nur die Flüchtlinge, sondern auch Urlauber und Anwohner und zeigt, dass Integration selbst in einer Traumwelt wie dieser immer eine bewusste Entscheidung sein muss.

Wir haben uns den Film angesehen und haben mit Matthias Koßmehl gesprochen.

Wie bist du speziell auf dieses Thema gekommen?

Matthias: Ja ich hab das eines morgens in der Zeitung gelesen: Asylbewerber in Wirtshaus untergebracht, ist das der Untergang der bayrischen Wirtshaus-Kultur und das fand ich dann einfach wahnsinnig spannend. Ich hab mir gedacht bei den bayrischen Stammtischen in diesen Wirtshäusern diskutieren die über Gott und die Welt und das Weltgeschehen ist aber einfach wahnsinnig weit weg. Und jetzt kommen diese Asylbewerber direkt an den Stammtisch und die müssen sich damit auseinander setzen.

Wieso dann gerade dieses Wirtshaus in Berchtesgaden?

Matthias: Ich hab dann eine Recherche gemacht und war in mehreren Wirtshäusern und Hotels und da bin ich dann irgendwann beim Café Waldhaus gelandet, wo sich für mich sofort ein kleiner Mikrokosmos entwickelt hat. Weil im Prinzip, das was da drin passiert, das ist so ein Wahnsinn . Da kann man einfach im Kleinen zeigen wie es im Großen funktionieren könnte. Es ist natürlich vollkommen klar, dass dieses Café Waldhaus eine kleine Utopie ist. Wie so der Zauberberg auf dem so Dinge funktionieren, die draußen nicht funktionieren, aber deswegen fand ich es gerade so erzählenswert.

Allgemeinere Frage: Wie findest du deine Themen?

Matthias: Ja also als Filmemacher sollten einen Themen immer so interessieren, dass man sagt: deswegen mache ich Filme. Darum tue ich mir den ganzen Stress an (…) und auch wenn es natürlich eine Utopie ist, dass man als Filmemacher die Welt verändern kann, als junger motivierter Filmemacher, will man das natürlich versuchen.

Einen Film den man sich nicht entgehen lassen sollte. Nicht umsonst gab es im Anschluss an den Film fünf Minuten Applaus und wässrige Augen beim Publikum. Café Waldluft – noch einige Wochen hier in München zu sehen.

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