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Deutsche Serien – The Golden Age of German Television?

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In Deutschland blickt man ja immer mal ganz gerne rüber nach Amerika. Schöneres Wetter, coolere Sprache, dickere Autos – bessere TV-Serien. Ist das noch so? In den USA spricht man vom „Golden Age of Television“, schuld daran sind die Game of Thrones‘ und Breaking Bads dieser Welt, die haben das Image des Mediums Fernsehen mächtig aufpoliert – gibts sowas auch in Deutschland? Wir blicken voraus auf die DOK.forum-Veranstaltung „Die Serie – Antwort auf alle Fragen?“; Montag, 09.05., 17.30 bis 19.00 Uhr, HFF, Kino 1.

Alles begann mit HBO. Der amerikanische Bezahlsender kam Ende der 1990er Jahre auf eine Idee, die das Angebot an seriell erzähltem Bewegtbild nachhaltig verändern sollte:
„Hey, die Welt hat genug vom klassischen Märchenhelden. Los, wer stellen das alles auf den Kopf – let’s create anti-heroes!“

Seitdem fiebern die Menschen weltweit mit, wie Tony Soprano in The Sopranos seine Mafiageschäfte erledigt oder Omar Little in The Wire im Drogensumpf Baltimores versinkt.
Resultat: Es entstand ein regelrechter Serienhype, der in den vergangenen Jahren seinen Höhepunkt in Stoffen wie Game of Thones oder Breaking Bad erreicht. Es ist kein Wunder, dass die Protagonisten der jeweiligen Serien moralisch zwielichtige Charaktere sind – die Menschen wollen Drama. Die Helden sind tot, lang leben die Anti-Helden!

Schon lange stellt man sich deswegen in Deutschland die Frage: Warum können wir das nicht? Und wenn wir es doch können: Wieso machen wir es dann nicht?
Die Antwort ist simpel: Das Geld fehlt. Filmförderung und Deutschland – ein schwieriges Thema. So argumentieren zumindest die Senderchefs. Schnell wird wieder der Zeigefinger in Richtung USA gestreckt, wo Kreative die finanzielle Unterstützung bekommen, die sie brauchen.

Nein, ein deutsches Breaking Bad war es nicht. Die ZDF-Serie Morgen Hör Ich Auf war gut, keine Frage. Aber die Serie war vor allem eins: Ein Schritt in die richtige Richtung. Sie hat gezeigt, dass man in Deutschland sehr wohl die Schauspieler hat, die einen Woche für Woche beeindrucken können, dass man sehr wohl die Schauplätze hat, die ihren ganz eigenen Eindruck vermitteln können. Und allen voran hat man auch hierzulande die Geschichten, die den Zuschauer packen können.

Morgen Hör Ich Auf war nur das aktuellste Beispiel für den Aufschwung von seriell erzähltem Content in Deutschland. In Wahrheit geht der Trend hierzulande schon seit Anfang der 2010er Jahre hin zur Serie. Die Sender werden mutiger, die Budgets größer. Für deutsche Kreative war der Markt im Bereich Fiction lange nicht so lebendig wie zur Zeit.

Wer am Ist-Zustand der deutschen Serie interessiert ist und einen kleinen Blick in die Zukunft wagen möchte, dem sei die Veranstaltung im Rahmen des DOK.forums am Montag ans Herz gelegt. Die Gästeliste des Panels könnte dazu hochkarätiger kaum sein: Unter anderem haben sich Dr. Bernhard Gleim, Leiter der NDR-Readaktion Serie und damit ein Hauptverantwortlicher von Der Tatortreiniger sowie Hannes Heyelmann, der als Geschäftsführer von Turner Broadcasting System maßgeblich am Erfolg der TNT-Serie-Produktion Weinberg verantwortlich ist, angekündigt. Außerdem wird Volker Heise von „ZeroOne“ erklären, welche Elemente der seriellen Erzählens sich auch in der arte-Protuktion 24h Jerusalem wiederfinden.
Das gibt uns die Möglichkeit, die oben genannten drei Projekte kurz vorzustellen – die optimale Vorbereitung für die Veranstaltung am Montag!

Der Tatortreiniger (NDR)

Heiko „Schotty“ Schotte (Bjarne Mädel) ist eigentlich Gebäudereiniger. Er hat sich jedoch spezialisiert: auf Tatorte. Für viele klingt die Serie wie ein klassischer Krimi. Das würde aber eindeutig an den Stärken von Mädel vorbeigehen, der sich schon in der Mockumentary Stromberg in seiner Kultrolle als Ernie einen Namen als hervorragender Serienschauspieler gemacht hat. Der Tatortreiniger ist witzig, böse und erinnert an einigen Stellen viel mehr an ein Kammerspiel als an eine TV-Produktion.

Weinberg (TNT Serie)

Wesentlich düsterer geht es dagegen in Weinberg zu. Die Ausgangssituation ist schnell erklärt: Mann (Friedrich Mücke) wacht mitten im Nebel und ohne jegliche Erinnerung auf, neben ihm hängt die Leiche einer Frau. Er stößt auf einen verstörten Jungen und folgt ihm in ein kleines Dörfchen am Fuße des Weinbergs. Dort trifft er auf allerlei mysteriöse Bewohner und versucht mit deren (mal mehr, mal weniger) Hilfe dem Geheimnis seines Gedächtnisschwunds auf den Grund zu gehen. Die Macher der Serie durften sich sogar über den Grimmepreis freuen!

24h Jerusalem (arte)

24h Jerusalem ist keine klassische Serie. In der arte-Produktion steht das „24h“ nicht nur einfach so im Titel. Die Echtzeitdoku hat eine tatsächliche Laufzeit von vierundzwanzig Stunden, einem ganzem Tag. Wir beginnen um 6 Uhr morgens und begleiten Juden, Christen und Muslime, die in der Stadt Tür an Tür leben, durch ihren Tag. Die Dokumentation wurde u.a. mit einem Fernsehpreis ausgezeichnet und fand auch beim Publikum großen Anklang.

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